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Eine Liebeserklärung an den Paradeiser. Und ein Rezept


Er ist der Star im Salat, die Seele jedes Sugos, das Herz vom Ketchup – und trotzdem wissen die wenigsten, wie spannend die Geschichte des Paradeisers ist. Jawohl: Paradeiser. Nicht Tomate. Aber der Reihe nach.


Juli 2026








Sommer ist gleichbedeutend für sonnengereiftes Obst und Gemüse. Einen besonderen Stellenwert nimmt für mich persönlich der Paradeiser ein. Im Garten stehen buntgemischte Sorten, von klein und oval über gelb und rund, eiförmig und kirschrot bis riesengroß und dunkelrosafarben. Jede Frucht liebevoll geerntet, sofort genascht, zu intensivem Sugo reduziert oder für den Winter eingekocht. Ein Hohelied auf die Tomate oder den Paradeiser.

Tomate, Paradeiser oder Pomodoro? Die Azteken sagten xitomatl, die Spanier machten tomate draus. In den deutschsprachigen Ländern wurde dieser Begriff übernommen. Bloß im östlichen Teil Österreichs und in Südtirol heißt die Frucht liebevoll Paradeiser – vermutlich in Anlehnung an den Paradeisapfel, also den Apfel aus dem exotischen Paradies. In Italien erhielt sie den poetischen Namen pomodoro, „goldener Apfel“, wahrscheinlich weil die ersten bekannten Sorten gelb waren. Spannend: Auch im Ungarischen heißt die Tomate paradicsom – was den Begriff Paradeiser im Osten Österreichs zusätzlich gestärkt haben könnte. Heute lebt der Paradeiser fast nur noch in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland weiter. Für den großen Rest ist es die Tomate. 

Eine lange Reise. Die Vorfahren der heutigen Paradeiser wuchsen in den Anden in Ecuador und Peru, die Früchte waren nur kirschgroß. Von dort gelangten sie nach Norden, wo indigene Völker in Mexiko begannen, sie gezielt zu kultivieren und größere, fleischigere Früchte auszulesen. Im 16. Jahrhundert kamen sie mit den spanischen Eroberern nach Europa, wahrscheinlich eher als Zierpflanze denn als Lebensmittel. Über lange Zeit blieb sie eher eine Nischengewächs, erst im 19. Jahrhundert fasste sie in Südeuropa Fuß und landete nach und nach in Salaten, auf der Pizza, in der Pasta und wurde so zu einem unverzichtbaren Lebensmittel auch in den nördlichen Ländern.

Gesund! Die Beere, denn um eine solche handelt es sich botanisch beim Paradeiser, ist reich an Mineralstoffen, Antioxidantien und Vitaminen und besonders kalorienarm mit 17 kcal je 100 g. Durch den hohen Wassergehalt von 94 % ist sie das ideale erfrischende Lebensmittel für den Sommer. Wer histaminintolerant ist, sollte Tomaten allerdings besser meiden. Dies gilt auch für Menschen, die zu Sodbrennen neigen. Der Zucker – in reduzierten und verarbeiteten – Paradeisern könnte dieses begünstigen.

Lieblingsessen im Sommer. Viele unterschiedliche Paradeiserstöcke in meinem Garten liefern viele bunte Früchte bis spät in den Herbst hinein. Akribisch ausgegeizt hat der Mehltau keine Chance, die Pflanzen bleiben bis zum ersten Frost vital. Übermengen an Paradeisern werden ungewürzt reduziert, also eingekocht, und kommen in verschraubbaren Gläsern in den Tiefkühler. So kommt der Sommer regelmäßig auch im Winter auf den Tisch. Und zwar meist so:

EINFACHES PASTAREZEPT: Paradeiser waschen und ungeschält in rund 1,5 cm große Würfel schneiden. Frischen Knoblauch fein hacken, in Olivenöl kurz anschwitzen und die Paradeiser zugeben, salzen. Nun auf mittlerer Pfanne so lange einkochen, dass sich die Soße leicht anlegt.

Ich gebe nun gerne einen ordentlichen Schwung Chili dazu und verzichte dafür später auf den Parmesan, weiters nochmals eine Schuss erstklassiges Olivenöl.

Al dente gekochte Spaghettini ins Sugo geben, durchmischen und zwei Minuten ziehen lassen. Anrichten und obendrauf grob geschnittenes Basilikum. Wer mag, reibt noch Parmesan darüber. Möge diese Pasta auch Sie glücklich machen! 

Funktioniert übrigens auch wunderbar zu gekochten Erdäpfeln, resch angebratenen Zucchinischeiben oder einfach so gelöffelt. Und noch etwas: Paradeiser, die im kühlen Herbst an den Stöcken nicht mehr ausreifen, tun dies am Küchentisch im Warmen. Funktioniert tadellos! Ein wenig Paradeismark gibt ihnen die mangelnde Süße und Intensität. Nach dem Motto Sommer einfangen!

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