Konventionell, bio oder biodynamisch? Die Ergebnisse eines universitären Langzeitversuchs.

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Für Winzerinnen und Winzer ist die Wahl der Bewirtschaftungsform eine wichtige strategische und zugleich persönliche Entscheidung. Ob konventionell, biologisch oder biodynamisch, sie ist mit weitreichenden Konsequenzen verbunden, oft auch mit Unsicherheiten und Ängsten. Denn wer kann schon wirklich in die Zukunft schauen und vorhersagen, wie sich die jeweilige Weinbauweise langfristig auf Böden, Rebstöcke und Wein auswirkt? Nun wurden die Ergebnisse eines 18 Jahre langen Feldversuchs der Universität Geisenheim publiziert und bringen mehr Klarheit in eine seit Jahren andauernde, oft sehr kontrovers geführte Diskussion.


März 2026
Zum Artikel: Overcoming yield gaps in organic and biodynamic viticulture: insights from an 18-year field trial
Springer Nature. Agronomy for Sustainable Development, 12. Februar 2026.  








Eine 18-jährige Feldstudie der Universität Geisenheim (Deutschland) liefert seltene Langzeitdaten zur Frage, wie sich integrativer, biologischer und biodynamischer Weinbau tatsächlich entwickeln. Im Rahmen des INBIODYN-Projekts wurden die Auswirkungen dieser Bewirtschaftungsformen auf Vitis vinifera (Sorte Riesling) systematisch untersucht und kürzlich publiziert. 
An dieser Studie war unter anderem Katharina Steng, PhD Candidate, beteiligt und hat kürzlich auf LinkedIn einen Beitrag dazu veröffentlicht, dessen Inhalte ich hier aufgreife. Sie sind für den Weinbau insgesamt relevant, insbesondere jedoch für biodynamisch arbeitende Winzerinnen und Winzer, da sie ein differenziertes und in wesentlichen Punkten ermutigendes Bild dieser arbeits- und kostenintensiven Bewirtschaftungsform zeichnen.

Über einen Zeitraum von nahezu zwei Jahrzehnten wurden Ertrag, Rebwachstum, Traubenqualität, Nährstoffstatus und klimatische Wechselwirkungen in den INBIODYN-Weingärten systematisch untersucht.

Die wichtigstes Erkenntnisse:

  1. Ökologische (−17 %) und biodynamische (−14 %) Anbausysteme wiesen zu Beginn geringere Erträge auf.
  2. Etwa acht bis zehn Jahre nach der Umstellung verringerte sich der Ertragsunterschied deutlich.
  3. In heißen und trockenen Jahrgängen übertrafen ökologische (+2,3 %) und biodynamische (+9,0 %) Systeme die integrierte Bewirtschaftung.
  4. Die Traubenqualität blieb in allen Anbausystemen vergleichbar.
  5. Der für Hefen verfügbare Stickstoff lag unter biologischer und biodynamischer Bewirtschaftung durchgehend höher.

Daraus lassen sich zwei zentrale Aspekte ableiten:
Agrarökologische Systeme benötigen Zeit zur Stabilisierung, und ihre Leistungsfähigkeit ist stark vom klimatischen Kontext abhängig. Mit zunehmender Häufigkeit von Hitze- und Trockenstress gewinnt diese Anpassungsfähigkeit an Bedeutung.

Langzeitversuche sind essenziell, um Veränderungen auf Systemebene zu erfassen, zugleich aber mit erheblichem Aufwand verbunden. Dass die Abteilung für Allgemeinen und Ökologischen Weinbau an der Hochschule Geisenheim dieses Experiment über nahezu zwei Jahrzehnte hinweg kontinuierlich geführt hat, ist ihr und dem wissenschaftlichen Team mehr als hoch anzurechnen.

Diese Ergebnisse sind insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels von hoher Relevanz: Sie liefern eine belastbare Grundlage dafür, dass biodynamisch arbeitende Winzerinnen & Winzer mit ihrem Ansatz langfristig tragfähig und zukunftsorientiert wirtschaften.

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