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Pestizidfrei rechnet sich: Studie zeigt in manchen Fällen bedingt höhere Erträge und bessere Wirtschaftlichkeit.


Die Welt ist eigenartig. Obwohl wir wissen, dass Pestizide und mineralische Dünger unsere Böden mittelfristig auslaugen und unfruchtbar machen können, halten wir an ihnen fest. Wir tun so – warum auch immer –, als ob wir auf eben diesen Böden dauerhaft hohe Erträge erzielen könnten. Das Gegenteil ist oft der Fall. Wir belügen uns selbst.

Nun zeigt eine über zehn Jahre angelegte Studie, dass unter methodischen Bedingungen eine pestizidfreie Landwirtschaft – auch frei von ökologischen Pestiziden – sehr wohl funktionieren kann und dass sich damit sogar höhere Margen erzielen lassen. 

April 2026
→ Zum Blogartikel auf pan-europa.info
Eine zehnjährige Studie von INRAE (French National Research Institute for Agriculture, Food and Environment) unter dem Namen Rés0Pest zeigt spannene Ergebisse: Ackerbau ohne – chemische und ökologische – Pflanzenschutzmittel ist unter bestimmten Bedingungen technisch möglich und kann produktiv sein. Typische Hürden wie Unkrautdruck und Trockenheit bleiben jedoch kritisch, vor allem in Mischbetrieben mit Tierhaltung. Gleichzeitig wurden in vielen Fällen ertragsnahe Ergebnisse zu konventionellen Systemen erzielt, und in einigen Situationen sogar höhere ErträgeDie Studie wurde im Februar 2026 im Fachjournal Plant Disease veröffentlicht, im Blog von Pan-Europe (NGO-Netzwerk zur Reduktion von Pestiziden) ein Überblick. Hier die Ergebnisse in Stichworten.

Versuchsdesign
Das Projekt umfasste neun Langzeitversuche in Frankreich mit fünf reinen Ackerbausystemen und vier Mischsystemen. In allen Varianten wurde vollständig auf Pestizide verzichtet, während Mineraldünger und Pflügen erlaubt waren. Zentrale Elemente waren vielfältige Fruchtfolgen, Leguminosen, Zwischenfrüchte und begleitende Agro-Infrastruktur.

Erträge
Die Erträge lagen meist unter konventionellen Systemen, erreichten jedoch teilweise vergleichbare oder höhere Werte und lagen deutlich über dem ökologischen Anbau. Im Durchschnitt lagen die Erträge im konventionellen Brotweizenanbau über jenen der pestizidfreien Systeme, während der ökologische Anbau deutlich darunter blieb. 

Dieses Bild ist jedoch nicht einheitlich: In Auzeville-Tolosane erzielte ökologisch bewirtschafteter Weizen in einem Versuchsjahr höhere Erträge als die konventionelle Variante. Pestizidfreier Hartweizen erreichte konventionelles Niveau, und pestizidfreies Triticale übertraf dieses in einzelnen Jahren. Auch bei Kulturen wie Raps, Zuckerrübe und Kartoffel wurden in vielen Versuchen die Ertragsziele erreicht. Bei der Zuckerrübe lagen die tatsächlichen Erträge deutlich über den erwarteten Verlusten und auf einem Niveau vergleichbar mit konventionellen Regionalwerten.

Schaderreger
Ein signifikanter Anstieg von Krankheiten oder Schädlingen wurde nicht festgestellt. Das größte Problem blieb der Unkrautdruck, während Klimastress zusätzlich limitierte.

Ökonomie
Die reinen Ackerbausysteme erwiesen sich ökonomisch als tragfähig und erzielten häufig Einkommen zwischen zwei und drei Mindestlöhnen oder mehr. Mischbetriebe schnitten deutlich schlechter ab und lagen teils unter dem Mindestlohn. Ausschlaggebend waren vor allem schwache Preise für tierische Produkte.

Empfohlene Praxis
Die Studie empfiehlt sehr lange und diverse Fruchtfolgen mit Leguminosen sowie flexible Saattermine und resistente Sorten. Mechanische Unkrautregulierung und strukturgebende Elemente wie Hecken oder Blühstreifen sind zentrale Bestandteile. Zusätzlich wird der Aufbau gezielter Vermarktungsstrukturen als notwendig bewertet.

Methodik
Die Ertragsvergleiche basieren auf regionalen Referenzdaten und nicht auf direkt benachbarten Parzellen. Die Laufzeiten variierten je nach Standort, da ein Versuch später begann. Während frühere Projektphasen biologische Pflanzenschutzmittel zuließen, schließt die finale Auswertung alle Pestizide konsequent aus.

Fazit. Der Versuch Rés0Pest demonstriert, dass konventioneller Ackerbau auch komplett ohne Pestizide möglich ist, wenn er sehr überlegt und methodisch betrieben wird. Die Erträge lagen meist etwas niedriger als gewohnt, aber es gab keine katastrophalen Verluste. Zugleich blieben einige Systeme ökonomisch wettbewerbsfähig. Damit liegt erstmals in Frankreich ein zehnjähriger Feldversuchsdatenbestand vor, auf dessen Grundlage pestizidfreie Anbaumethoden weiter optimiert werden können. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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