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Bodenleben auch im Winter. Denn der Boden schläft nie!


Wenn sich im Winter die Säfte aus den Pflanzen zurückziehen, gehen diese in den Winterschlaf. Ruhe kehrt auch in den Böden ein, aber von echtem Schlaf ist keine Rede. Denn auch bei tiefen Temperaturen sind wichtige Prozesse im Gange, aus abgestorbenen planzlichen und tierischen Zellen werden Nährstoffe, und auch sonst tut sich vieles. Im scheinbar schlafenden Boden bereitet sich alles auf das nächste Frühjahr und Wiedererwachen der Pflanzen- und Tierwelt vor.

Jänner 2021
* climate.com/blog/cycles-of-winter-soil/

* soilsmatter.wordpress.com/2016/01/14/what-happens-to-soil-in-winter-does-everything-die/

Ein Blick auf das Wunder Natur im Winter. Wenn die Temperaturen unter Null fallen, gefriert das Wasser in den oberen Bereichen des Bodens. Unterhalb dieser Frostschicht geht das Leben weiter. Mikroben tummeln sich dort, Pilze sind aktiv und auch viele kleine und größere Lebewesen. Damit mehrjährige Pflanzen die Kälte überstehen, reichen die Wurzeln der Gräser, Kräuter, Blumen, Sträuche und Bäume bis unter die gefrorene Erde. Und auch die Frostschicht selbst hat eine wichtige Funktion.

Wenn wir winters übers Feld oder im Wald marschieren, tun wir dies auf hartem und meist gefrorenem Boden. Diese unwirtliche Frostschicht ist wichtig. Denn wenn Bodenfeuchtigkeit gefriert, bilden sich in der Krume Eiskristalle. Diese brechen durch ihr größeres Volumen den Boden auf; manche Bodenteilchen werden zusammengepresst, manche auseinander. So werden größere Erdklumpen auseinandergetrieben, verdichtete Stellen wieder durchlässiger. Die Erde wird feinkrumiger. Schmilzt das Wasser, bahnt es sich neue Wege. Dieser Nass-Trocken-Zyklus formt die Bodenstruktur neu. Schätzungen zufolge können häufige Frost-Tau- und Nass-Trocken-Zyklen die Verdichtung um 45 % bis über 70 % (in den obersten Schichten) verringern. Frost ist die wirtschaftlichste und schonenste Art der Bodenbearbeitung.

Auch der leider immer seltener werdende Schnee hat eine wichtige Funktion für den Boden. Bedingt durch sein großes Volumen mit viel Luft ist er ein schlechter Wärmeleiter und bildet eine isolierende Schicht. Schnee verhindert einerseits Wärmeabstrahlung aus dem Boden und schützt andererseits vor der Kälte von außen. Böden mit tiefer Schneedecke haben oft eine dünnere Frostschicht als solche ohne Schnee. Gefriert der Boden ohne Schneedecke, können die Frost-Tau-Zyklen Pflanzen schwer schädigen, indem sie sie aus dem Boden drücken, ihre Wurzeln abreißen und abklemmen. Der positive Effekt von Schnee reicht bis ins Frühjahr. Gut isolierte Böden - also durch Schnee, organisches Material wie Mulch oder Laub oder ganzjährige Gründüngung - tauen im Frühjahr rascher auf als kahle. Aufgetaute Böden können Schmelz- und Regenwasser viel besser aufnehmen und speichern als gefrorene Böden, auf denen das Wasser Lacken bildet oder abläuft und zu Erosion führt.

Wie mehrjährige Pflanzen den Winter überstehen, ist besonders interessant zu lesen. Sie entwickeln nämlich in kälteren Klimazonen Wurzelsysteme unterhalb der Frostschicht und geben bei tiefen Temperaturen Wasser aus ihren Zellen an den umgebenden Boden ab. Dadurch können die Wurzeln der Gräser, Blumen, Bäume und Sträucher kälteren Temperaturen standhalten, weil sie nicht Gefahr laufen, dass das Wasser in ihren Zellen gefriert. Das verbliebene Wasser in den Wurzelzellen enthält höhere Konzentrationen an Zuckern und Salzen. Diese wirken wie Frostschutzmittel und senken den Gefrierpunkt des Wassers in und zwischen den Zellen. Faszinierend, wie die Natur dies eingerichtet hat!

Auch das tierische Leben im Boden geht unbemerkt von uns Menschen weiter. Viele Bodentiere haben sich im Laufe der Evolution so entwickelt, dass sie Temperaturen unter dem Gefrierpunkt standhalten. Dafür graben sie sich über die Wintermonate unter der Frostschicht tief in der Erde ein. Zu diesen tierischen Lebewesen gehören in unseren Breiten Insekten, Frösche, Schlangen und Würmer. Manche von ihnen halten Winterschlaf, manche sind wach und brauchen Nahrung, die sich sich bei Bedarf aus ihren Sammelstellen besorgen.

Und dann sind da noch die Kleinstlebewesen, sie sind besonders aktiv, vielfältig und zahlreich. In einer Handvoll Erde tummeln sich mehr Mikroben als Menschen auf der Erde leben. Bodenmikroben, also u.a. Bakterien und Pilze, sind das ganze Jahr über aktiv, die tiefen Temperaturen im Winter tangieren sie wenig. Sie zersetzen organische Stoffe und führen dem Boden Nährstoffe zu. Mikroorganismen im Boden helfen bei der Verwitterung von Gestein und Mineralien, die wichtige Nährstoffe für das Pflanzenwachstum freisetzen und haben auch sonst wichtige Funktionen für die Pflanzenwelt und somit unsere Ernährung. Aus toten Zellen wird wieder Leben - sogar im Winter. Wunderbarer Kreislauf Natur!

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